TeunissenDer Wirtschaftsförderer der Gemeinde Winterswijk, Marcel Teunissen, erzählt im Gespräch mit unserem AIW-Team, was für ihn grenzüberschreitende Arbeit bedeutet, warum sie gerade für die Euregio-Gemeinden wesentlich ist und wie gemeinsames Singen Barrieren abbaut.

Herr Teunissen, was macht die Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg für Sie aus?

Unsere beiden Regionen stehen vor den gleichen Herausforderungen: Die Einwohner werden zum Beispiel immer weniger und älter. Deshalb ist eine gute Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg auch so wesentlich. Denn wir müssen beide aktiv daran arbeiten, junge Menschen und speziell Fachkräfte für unsere Region zu gewinnen und vor allem zu halten. Unsere grenzüberschreitenden Netzwerke sind schon jetzt sehr gut und es gibt viele Menschen aus den Niederlanden und aus Deutschland, die daran arbeiten, dass es noch größer und besser wird.

Welche Barrieren gibt es aktuell?

Natürlich sind die unterschiedlichen Sprachen und Kulturen zuerst eine Barriere – wenn man seine Nachbarn nicht kennt, ist es schwierig, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Das lässt sich aber schnell und einfach ändern.

Synergieeffekte noch besser nutzen.

Was würden Sie vorschlagen?

Ganz einfach: Miteinander sprechen und einander besser kennenlernen. Nur so können wir Barrieren und Berührungsängste abbauen.

Ein aktuelles Beispiel zeigt es ganz schön: Erst letztes Jahr im Juli wurde das deutsch-niederländische Netzwerk „Grenzhoppers“ gegründet. Mit dem Ziel Wirtschaft, Politik und Menschen aus den verschiedenen Regionen zusammenzubringen, um sich natürlich besser kennenzulernen, aber vor allem auch, um Projekte noch besser koordinieren und so die Synergieeffekte noch besser nutzen zu können.

Das Projekt ist bis heute von zunächst 16 Beteiligten auf 170 angewachsen. Mehrere Arbeitsgruppen zu den unterschiedlichsten Themen haben sich gebildet und sogar ein Euregio-Lied haben wir schon gemeinsam in beiden Sprachen verfasst und eingesungen. Klar, wir sind alle keine Profis, aber wir haben es zusammen gemacht und es hat viel Spaß gemacht. (lacht)

Es geht nicht um Projekte; es geht immer um Menschen.

Das alles sind kleine Aktionen, die helfen, einander besser kennenzulernen und bei denen die Menschen im Zentrum stehen. Denn man darf nicht vergessen: Es geht nicht um Projekte; es geht immer um Menschen.


Was denken Sie, muss speziell im wirtschaftlichen Bereich noch gemacht werden?

Um unsere Wirtschaft auf einem guten Level zu halten, müssen wir auch unsere Region auf dem Markt mehr präsentieren, das Image verstärken und auch die Unternehmen müssen sich stärker darstellen. Was wir brauchen, ist Selbstbewusstsein und Stolz.

Außerdem müssen wir die Kapazitäten und Netzwerke nutzen, die unsere Region bieten. Beispiel: Ganz aktuell arbeiten wir auch mit der Fachhochschule Bocholt zusammen. So trifft technisches Know-how auf gute Netzwerke. Der AIW macht hierzu demnächst auch eine Veranstaltung zum Thema 3D-Druck. So kann grenzüberschreitende Arbeit aussehen.

Ein großes Problem ist natürlich noch die Frage nach grenzüberschreitender Ausbildung und Praktikum. Hier ist es immer noch nicht so leicht, auch wenn die Politik bereits daran arbeitet. Kurzfristig wird es auch nicht leichter, daher müssen wir in der Zwischenzeit smart sein und andere Lösungen finden.

Kurz: In der Region sind die Kenntnisse vorhanden. Wir müssen sie nur teilen.

Die Grenzen sind weg, wir müssen uns nur gemeinsam finden.

Was ist Ihre Vision für 2025?

Wenn wir das Thema richtig anfassen, uns richtig profilieren und gut zusammenarbeiten, haben wir eine sehr gute Chance, eine vitale Region zu erhalten.

Denn wir haben viele gute Unternehmen – klein, mittelständisch und größer – die teilweise auch weltweit bekannt sind. Die Grenzen sind weg, wir müssen uns nur gemeinsam finden. Und dann ist auch 2025 unsere Region immer noch aktiv und lebenswert.

 

Warum setzen Sie auch auf den AIW als Netzwerkpartner?

Wir teilen die gleichen Gedanken und die gleiche Ausrichtung. Dazu ist der AIW sehr aktiv und greift auf ein großes Netzwerk zurück. Was gibt es da besseres?

So entstehen wirkliche Netzwerke, die allen Beteiligten helfen.

Was würden Sie sagen, kann jeder einzelne Unternehmer persönlich tun, um die Zusammenarbeit zu intensivieren?

Richtig dabei sein: Denn wenn man nicht dabei ist, lernt man niemanden kennen und umgekehrt – man wird selbst nicht bekannt. Und richtig dabei sein, das heißt: Zu Veranstaltungen kommen, wirklich erzählen, was man macht, es den anderen zeigen, also den anderen auch mal den eigenen Betrieb, die eigene Arbeit zeigen. So entstehen wirkliche Netzwerke, die allen Beteiligten helfen.

 

Und zu guter Letzt: Ihr persönlicher Grenzgängertipp. Wenn wir in den Niederlanden sind, dann sollten wir unbedingt…

Als Tourist sollte man auf die verschiedenen, schönen Events schauen. Zum Beispiel gibt es hier in Winterswijk ein Steingrubentheater, das 30 Meter in der Tiefe liegt. Einmal im Jahr wird hier ein Musical veranstaltet und alleine die Kulisse ist sehr beeindruckend.

Auch der Markt in Winterswijk ist übrigens immer gern besucht – auch von vielen Deutschen. Und vor allem: Bei uns gibt es noch vrij parkeren. (lacht)