AIW-Mitglieder bestätigen in einer Umfrage Probleme mit Mehrfachabschlüssen bei Azubiverträgen

 

Die Auswirkungen des demografischen Wandels sind auch auf dem Ausbildungsmarkt im Kreis Borken zu spüren. Die Anzahl von freien Ausbildungsplätzen steigt stetig, die Anzahl der Bewerber sinkt. Die aktuelle Lage führt auch dazu, dass Auszubildende vermehrt parallel Ausbildungsverträge unterschreiben und zugesagte Stellen nicht antreten, berichten AIW-Unternehmen. So bleiben Ausbildungsplätze kurzfristig unbesetzt und Nachwuchskräfte fehlen. Diese Problematik sind wir angegangen und haben im Mai eine Umfrage zum Thema angestoßen. Mit 85 Unternehmen hat sich rund die Hälfte aller AIW-Mitglieder beteiligt.

 

40% der Befragten gaben an, dass sie mit Mehrfachabschlüssen in der Vergangenheit ein Problem hatten oder dass der Auszubildende noch vor Antritt gekündigt hat.

„Die kurzfristige Auflösung eines bereits unterschriebenen Vertrags ist oft von Top-Bewerbern gewünscht“, berichtet Robert Kosubek von der Ahauser Gummiwalzen Lammers GmbH & Co. KG. Auch der Caisley International GmbH aus Bocholt ist die Problematik bekannt. „Die Schaltung von Anzeigen, das Sichten von Bewerbermappen und das Führen von Vorstellungsgesprächen ist ein Aufwand für jedes Unternehmen – umso ärgerlicher, wenn ein Top-Bewerber abspringt“, sagt Michael Knulst.

 

Ein besonders erstaunliches Feedback der Umfrage: Auch Lehrer schienen gezielt Schülern zu empfehlen, gleich mehrfach Verträge abzuschließen und sich später zu entscheiden.

In einem Schreiben an Schulen werden wir als AIW deshalb aktiv die Problematik für Unternehmen schildern, um auch Lehrkräfte für dieses Thema zu sensibilisieren.

 

Als Unternehmensverband meinen wir, dass es darüber hinaus Modelle geben muss, die Sie als Unternehmen entlasten. Eine zentrale Datenbank bei den Industrie- und Handelskammern sowie bei den Kreishandwerkerschaften könnte Doppelabschlüsse aufdecken, ist aber aufgrund des Datenschutzrechtes problematisch.

Der IHK Nord Westfalen sind übrigens bei doppeltem Vertragsabschluss solange die Hände gebunden, bis zwei Unternehmen einen Vertrag mit einem gleichen Kandidaten einreichen, berichteten uns Verantwortliche im Gespräch. Deshalb sind alle Betriebe gefordert, Azubi-Verträge schnellstmöglich an die IHK weiterzuleiten.  Erst dann kann diese die Vertragsparteien auf den Missstand aufmerksam machen und versuchen zu vermitteln. Noch schwieriger wird es, wenn verschiedene Institutionen für die Verträge zuständig sind. Denn einen Abgleich, zum Beispiel zwischen IHK und Kreishandwerkerschaft, gibt es zurzeit nicht.

 

Konkrete Maßnahme im Blick

Möglicherweise könnte das Beispiel der IHK Südthüringen Schule machen. Diese hat im Ausbildungsjahr 2014/15 zu einer konkreten Maßnahme gegriffen und führte die sogenannte „AusbildungsCard“ ein. Diese wird Schülern ab Klasse 7 ausgehändigt und muss im Falle eines Vertragsabschlusses an den neuen Ausbildungsbetrieb abgegeben werden. Nach der Ausbildung erhält der Ausgelernte seine Karte zurück. Das Pilotprojekt in Trägerschaft der IHK Südthüringen wird vom Thüringer Ministerium für Bildung, Wissen und Kultur unterstützt.

 

Vorkehrungen weit im Vorfeld treffen

Eine gute Imagearbeit im Vorfeld ist besonders wichtig, um das Unternehmensprofil für Bewerber attraktiv zu machen. Das bestätigt auch eine aktuelle Umfrage im Auftrag der nordrhein-westfälischen Industrie- und Handelskammern. Diese zeigt, dass Nachwuchskräften vor allem das Image des Unternehmens und der Respekt unter den Kollegen wichtig sind – noch vor der eigenen Ausbildungsvergütung. Darauf können Unternehmen bauen: Zeigen Sie bereits im Vorfeld, was Bewerber bei Ihnen erwarten dürfen.

 

Unter www.kaoa-praxis.de können Sie sich zum Beispiel listen lassen, um Schüler als Praktikanten* zu gewinnen. Die erste Einbindung in den Unternehmensalltag kann eine hohe Identifikation mit dem künftigen Ausbildungsbetrieb fördern und eine kurzfristige Absage durch potentielle Bewerber vermeiden.

 

(*Laut aktueller Umfrage ist es 83% aller befragten Schüler wichtig, seinen zukünftigen Ausbildungsbetrieb bereits zu kennen.)

 

Was tun bei Doppelabschluss?

Last-Minute Stellenabsagen machen Unternehmen oft ratlos. Konkrete Maßnahmen ergriffen nur 14 aller Befragten. Einige Betriebe haben zum Beispiel rechtlichen Rat eingeholt, aufgrund der Beratung aber konkrete Maßnahmen verworfen.

Andere gingen gezielt in die Offensive und schrieben die zögernden Auszubildenden zu Weihnachten und Ostern an, um das Unternehmen attraktiv zu halten. Auch haben Betriebe für 2015 Reservelisten mit potentiellen Bewerbern in der Hinterhand.

 

Unternehmen, die aktuell von einer Azubi-Absage betroffen sind, können auch kurzfristig diesen Donnerstag beim Azubi-Speed-Dating der IHK in Münster teilnehmen. Nach Auskunft der IHK werden auch Bewerber vor Ort sein, die noch für 2015 eine Stelle suchen.

 

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