Piloten und Ärzte – Fehler können bei beiden tödlich sein. Aber die Art und Weise damit umzugehen, unterscheidet sich extrem

Während es in der Medizin Begrifflichkeiten wie „unerwartete Komplikationen“ oder „Kunstfehler“ gibt, wird jeder Fehler im Luftverkehr, ob technisch oder vom Piloten, analysiert und führt zu Veränderungen von Techniken weltweit.

An Hand von Beispielen aus beiden Welten zeigte Ulrike Löwe den unterschiedlichen Umgang mit Fehlern auf.

In der Luftfahrt werden Unglücke bis ins Detail untersucht, Flugzeuge gleicher Bauart nach Unfällen am Boden gehalten, bis bekannt ist, was das Unglück verursacht hat. Piloten können einen von ihnen gemachten Fehler ohne Konsequenzen melden. So wird vermieden, dass Fehler aus Angst vor Bestrafung vertuscht werden. Hierachiestufen wurden abgebaut, damit nicht Alter oder Position Hinweise von Mitarbeitern auf drohende Gefahren unterdrücken.

Dagegen ist in der Medizin die Hierachie noch stark vorhanden. In vielen Fällen dürfte sich die Krankenschwester gegenüber dem Chefarzt kaum Gehör verschaffen können. Obduktionen, die dazu beitragen könnten, aus Fehlern zu lernen, werden kaum vorgenommen. Gegenüber Angehörigen wird dann oft mit den oben erwähnten „unerwarteten Komplikationen“ argumentiert.

Aus  diesen beiden sehr unterschiedlichen Fehlerkulturen können Unternehmen Anregungen für die Schaffung einer eigenen Fehlerkultur ziehen.

Menschen machen Fehler. Daran wird sich auch in der digitalen Unternehmenswelt nichts ändern. Ganz im Gegenteil. In einer Welt voll von Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität (VUKA) brauchen wir Mitarbeiter/innen, die schnell und eigenverantwortlich handeln, die spontan auf sich verändernde Kundenwünsche reagieren. Da bleibt keine Möglichkeit mehr, sich im Vorfeld zu allen Seiten hin abzusichern. Da sind Fehler vorprogrammiert. Zukunftsorientierte Unternehmen sollten sich daher die Frage stellen, wie sie eine Fehlerkultur schaffen können, die einen konstruktiven Umgang mit Fehlern fördert.

Die Frage sollte künftig nicht mehr lauten „Wer war das?“ sondern „Warum ist das passiert?“ und „Wie können wir das künftig verhindern?“.

Generell ist es in der heutigen Arbeitswelt so, dass die Aufgaben mehr werden, das Tempo steigt und die Verantwortung des Einzelnen nimmt zu. Der Druck wächst und damit auch die Angst davor, zu versagen. In Zeiten der Überforderung bis hin zum Burnout, gilt es heute neue Strategien in der Unternehmensführung zu etablieren.

Die Tendenzen gehen hin zu einem dezentralen und teamorientierten Führungsstil, in dem alle Kompetenzen gefragt sind und nicht nur ein ‚Häuptling‘ allein entscheidet. Unter Einbeziehung der Mitarbeiter können so die Prozesse viel besser eingeschätzt und gesteuert werden. Teil dieser Entwicklungen ist „die neue Fehlerkultur“ über die im Rahmen des ‚Workshops für Entscheider‘ am 1. März im AIW unter der Leitung von Ulrike Löwe lebhaft diskutiert wurde.


    

Bildquelle: Wilhelm Löwe