Ingo Hoff (1. Vorsitzender) im IHK-Interview – „Sanierung lernt man nicht im Studium“

Ingo Hoff im IHK-Interview – „Sanierung lernt man nicht im Studium“
Unser 1. Vorsitzender im Porträt
von Ingrid Haarbeck | 

Unternehmerinnen und Unternehmer in Nord-Westfalen beantworten zwölf Fragen und geben so persönliche Einblicke. Den Anfang macht Ingo Hoff aus Gronau. Ein zutiefst positiver Mensch, der um die Bedeutung eines guten Umfelds weiß: „Das stärkt in guten Zeiten und hilft in schwierigen.“

Wie beginnt Ihr Arbeitstag?
Ingo Hoff: Jeder Tag sieht anders aus. Das beginnt schon mit dem Arbeitsweg: Meist komme ich mit dem Fahrrad, manchmal zu Fuß, falls ich auswärtige Termine habe, mit dem Auto. Und danach bekomme ich hier am Coffeepoint nicht nur den ersten Kaffee, sondern auch gleich die ersten kurzen Infos.

Worauf sind Sie in Ihrem Berufsleben besonders stolz?
Hoff: Ich bin stolz auf das, was meine Familie hier in Gronau geleistet und gestaltet hat. Unsere Büroräume beispielsweise sind in dem so genannten „Elefanten“ – ein historisches Gebäude aus der damaligen Textilwirtschaft in unserer Region. Meine Eltern haben das Gebäude aus dem Jahr 1948 revitalisiert und behutsam saniert, so dass wir heute in diesem Denkmal der regionalen Wirtschaft arbeiten können.

Was ist Ihre Lieblingsaufgabe, und auf was könnten Sie verzichten?
Hoff: Am liebsten mache ich alles, bei dem ich im Austausch mit Menschen bin und über den Tellerrand schauen kann. Gern auch mit unseren niederländischen Nachbarn. Wenn ich etwas bewegen kann und die positive Energie spüre, dann darf es auch gern ein bisschen länger dauern. Das Lesen von Vertragstexten lässt mein Herz nicht unbedingt höherschlagen und auch die wichtige Aufgabe der Personalführung habe ich meinem Geschäftspartner Stefan Bobermin übergeben.

Was überrascht Menschen in (oder an) Ihrem Unternehmen?
Hoff: Die Besucher sind oft überrascht, wie modern die Bürogestaltung hier in dem denkmalgeschützten Gebäude ist.

Was war die bisher größte Herausforderung in Ihrer Laufbahn?
Hoff: Der Sanierungsprozess unserer GmbH. Wir haben hier zwei Unternehmen: Das 1964 gegründete Planungsbüro und die GmbH für den Schlüsselfertigbau, mit der wir seit zwei Jahren in der Insolvenz in Eigenverwaltung sind. Wie man so ein Unternehmen saniert, das lernt man nicht im BWL-Studium, das sehe ich auch bei Unternehmerinnen und Unternehmer in meinem Umfeld. Alle reden über Wachstum, aber wenige denken daran, wie ein Unternehmen auch mal restrukturiert und kleiner werden kann. Wir haben die Sanierung inzwischen fast abgeschlossen und planen den Erhalt der GmbH. In so einem Prozess hilft es enorm, wenn du gute Kontakte hast, beruflich und privat.
Aber ja, das war eine emotional anstrengende Zeit, das muss ich nicht noch mal haben.

Wenn Sie einem Gründer in der Region einen Rat geben könnten, welcher wäre das?
Hoff: Nach etwa zehn Beteiligungen darf ich sagen, dass Motivation und Energie vorausgesetzt werden dürfen. Mein Rat ist zweigeteilt: erstens ein fortlaufendes „Invest“ in die eigene Person, also in körperliche und seelische Gesundheit. Sowie zweitens Aufbau und Pflege von sozialen Kontakten. Ein gutes Umfeld stärkt in guten Zeiten und hilft in schwierigen.

Wie würden Kolleginnen und Kollegen Sie in drei Worten beschreiben?
Hoff: Meine Kollegin Simone Rihm, die mich seit 20 Jahren kennt, antwortete mit: „kommunikativ, laut, herzensgut“. Da finde ich mich wieder.

Wenn Sie einen Tag lang die Wirtschaftspolitik Ihrer Stadt bestimmen könnten – was würden Sie ändern?
Hoff: Mehr auf die Firmen fokussieren, die schon da sind. Neuansiedlungen sind einfacher zu messen als der Erhalt des Bestehenden. Aber die Stärkung des Miteinanders in der Wirtschaft einer Region ist auch ein wertvolles Ziel. Darum engagiere ich mich gern, zum Beispiel beim AIW oder der IHK.

Was schätzen Sie besonders am Wirtschaftsstandort Münsterland?
Hoff: Die Vielfalt der Branchen und Firmen macht uns resilienter, es gibt hier kein Klumpenrisiko. Ich mag auch den Schlag Mensch, die Verbindlichkeit, die die Menschen im Münsterland und auch im Ruhrgebiet mitbringen.

Ohne was könnten Sie nicht arbeiten?
Hoff: Ich bin Fan des Notizbuches, welches mich stets begleitet. Hat nicht jemand mal gesagt: „Schreiben ist Denken mit dem Stift“?

Welches Buch, Zitat oder Vorbild inspiriert Sie?
Hoff: Sehr inspirierend fand ich ein Hörbuch des Psychologen Jens Corssen mit dem Titel „Der Selbst-Entwickler“. Das hört sich zunächst an wie eine Comedy, aber es verstecken sich sehr gute Ratschläge darin. Meine zweite Antwort ist ein Glaubenssatz, den ich verinnerlicht habe: „Wir Menschen unterschätzen, was langfristig möglich ist, und überschätzen, was kurzfristig machbar ist.“

Wie entspannen Sie nach einem langen Arbeitstag?
Hoff: Manchmal ermahne ich mich selbst, nicht zu viel Zeit auf Social Media zu verbringen, und lese einfach ein Buch. Und ich gehe immer gerne joggen, so eine Dreiviertelstunde für mich tut mir gut. Naja, manchmal will ich auch mehr, im Mai beispielsweise die 111 Kilometer auf Sylt.

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