Wenn es um die Soziale Marktwirtschaft geht, denkt jeder zu aller erst an Ludwig Erhard. War er doch in der Nachkriegszeit der Macher des ‚Deutschen Wirtschaftswunders‘. Dass jedoch ein anderer im Hintergrund als Vordenker wirkte und die Grundidee entwickelte, ist weniger bekannt.

Wirtschaftswissenschaftler Alfred Müller-Armack (1901-1978) war Freund, Weggefährte und langjähriger Mitarbeiter von Ludwig Erhard. In seiner wissenschaftlichen Abhandlung mit dem nüchternen Titel „Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft“ – 1947 veröffentlicht – verfasste der in Essen geborene Ökonomieprofessor erstmals den Grundgedanken der heute immer noch gültigen Wirtschaftsform.

Auf Seite 59 steht es schwarz auf weiß: „Soziale Marktwirtschaft“!

„Sozial mit großem ‚S‘“, darauf legte Müller-Armack besonderen Wert! Die zündende Idee kam im Spätherbst 1946, während seines Aufenthaltes im Herz-Jesu-Kloster in Vreden-Ellewick. Er – seinerzeit Universitätsprofessor in Münster – und seine Mitarbeiter hatten die Klosterräume gegen die zerbombten Universitätsräume eingetauscht.

Hier an diesem historischen Schauplatz kamen gestern Politiker, Historiker und Zeitzeugen zu Wort und berichteten im Rahmen einer hochkarätigen Fachtagung mit weit mehr als 100 Besuchern über den Wissenschaftler und Menschen Alfred Müller-Armack. Das Geburtsdatum des Vordenkers nahm die Stadt Vreden zum Anlass, mehr über seine Ideen zu erfahren und die aktuelle und zukünftige Entwicklung unserer Wirtschaft zu diskutieren.

Das „Aha“-Erlebnis

„Wir hier in Vreden wissen, dass das Konzept im Kloster in Ellewick entwickelt wurde“, so Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch, an anderen Stellen erlebe man aber immer wieder ein verwundertes „Aha“ über diese sehr spannende Geschichte.

Eine konkrete Frage aus dem Plenum bezog sich auf die NS-Vergangenheit von Müller-Armack und damit auf die aktuell geführte Diskussion um die mögliche Benennung einer Müller-Armack-Straße in Vreden. Bleibt abzuwarten, wie sich die Verdener entscheiden.

Eine spannende Veranstaltung, auch für den AIW!

Vielen Dank!

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© Die Politische Meinung, Sonderausgabe Nr. 5, Mai 2017